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Paid Ads in LLMs

Zero-Click statt Funnel: Wie KI und Agentic Commerce den Weg zum Kauf verändern.

Julia Tockweiler
Julia Tockweiler Aktualisiert am 24. Apr. 2026
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Die Zukunft des Einkaufens beginnt nicht mit autonomen Agenten – sondern mit dem Ende des klassischen Klicks.

Was wir aktuell erleben, ist der Übergang in eine Zero-Click-Welt. Entscheidungen entstehen zunehmend innerhalb von KI-Systemen wie ChatGPT oder Gemini, noch bevor Nutzer überhaupt eine Website besuchen. Die Transaktion selbst findet weiterhin auf Websiten statt – doch der Weg dorthin wird neu definiert.

Agentic Commerce – also die Vision, dass Systeme eigenständig Käufe ausführen – ist dabei der nächste logische Schritt. Doch bevor es so weit ist, verschiebt sich bereits heute der entscheidende Moment: die Käufer Evaluation selbst – insbesondere bei Low-Involvement-Produkten.

OpenAI ist bereits vorgeprescht: Seit dem 9. Februar 2026 testet das Unternehmen erste Werbeformate direkt im ChatGPT-Interface. Damit wird klar, wohin die Reise geht. Mit einem in Branchenkreisen kolportierten TKP von rund 60 US-Dollar ist Werbung in ChatGPT kein Reichweitenprodukt, sondern der direkte Zugang zu konkreter Kaufintention.

Gleichzeitig bewegt sich auch Google. Während Gemini selbst (noch) werbefrei bleibt, integriert Google Werbung zunehmend in KI-gestützte Suchergebnisse. Anzeigen verschwinden aus klassischen Slots und werden Teil der Antwortlogik.

Was sich hier formiert, ist nichts weniger als die nächste Generation von SEO und SEA (Performance Marketing) – nur dass es nicht mehr um Klicks geht, sondern darum, Entscheidungen vor dem Klick zu beeinflussen.

Quelle: https://openai.com/de-DE/index/testing-ads-in-chatgpt

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Von der Suche zur Echtzeitberatung: Eine zusätzliche Disziplin im Marketing

Wir verlassen die Ära der Aufmerksamkeitsökonomie und bewegen uns hin zu einer neuen Form der produktiven Echtzeitberatung.

Lange Zeit war das Internet ein digitaler Katalog: Wir suchten, verglichen, klickten und kauften manuell. Dieses System war die Grundlage für SEO und SEA – Sichtbarkeit erzeugte Traffic, Traffic erzeugte Umsatz.

Doch genau diese Logik beginnt sich zu erweitern. Nicht mehr der Nutzer navigiert durch Ergebnisseiten – Systeme strukturieren, priorisieren und verdichten Informationen zu einer Entscheidung. Was früher eine Liste von Links war, ist heute eine kuratierte Antwort.

Damit erweitert sich die Rolle von Marketing um eine neue Ebene im Entscheidungsprozess:
„Gefunden werden“ bleibt weiterhin relevant – verändert sich jedoch in seiner Ausprägung.

Neben klassischer Sichtbarkeit entsteht eine zusätzliche Disziplin: die gezielte Präsenz in KI-basierten Antworten und Empfehlungen.
Es geht also nicht mehr nur darum, in Ergebnislisten aufzutauchen, sondern auch darum, in den Momenten berücksichtigt zu werden, in denen Systeme Informationen bewerten und zu einer Entscheidung verdichten.

Google und OpenAI: Von SEO & SEA zu LLM & Paid AI

Hinter den Kulissen entsteht ein neuer Wettbewerb zwischen den großen Plattformen – um die Kontrolle über genau diesen Entscheidungsraum.

OpenAI setzt auf den High-Intent-Kontext innerhalb der Konversation. Jede Anfrage ist ein direktes Signal. Jede Antwort eine potenzielle Entscheidung – und damit ein neuer Ort für bezahlte Platzierung.

Google überträgt seine jahrzehntelange Dominanz aus SEO und SEA in die KI-Welt. Mit AI Overviews und Gemini entsteht ein System, in dem organische und bezahlte Sichtbarkeit nicht mehr getrennt nebeneinander existieren, sondern innerhalb einer Antwort verschmelzen.

Für Unternehmen verschiebt sich der Wettbewerb fundamental – aber nicht ins Unbekannte, sondern in eine neue Ausprägung bekannter Prinzipien.

Organische Sichtbarkeit entsteht durch Relevanz in LLM-Antworten – das neue SEO. Bezahlte Sichtbarkeit entsteht durch Integration in KI-Entscheidungsprozesse – das neue SEA.

Die unsichtbare Infrastruktur: Das neue „Ranking“

Damit diese neue Form der Sichtbarkeit überhaupt funktioniert, braucht es eine andere technische Grundlage.

  • Was früher Rankingfaktoren waren, sind heute strukturierte Daten, APIs und maschinenlesbare Inhalte. Systeme bewerten keine Seiten mehr – sie interpretieren Informationen.
  • Die Website verliert damit ihre Rolle als primärer Touchpoint und wird zur Datenquelle.
  • Für Unternehmen bedeutet das: Die neue Form von „Ranking“ entscheidet sich nicht mehr nur über Inhalte und Links, sondern darüber, wie gut Informationen von KI-Systemen verarbeitet und priorisiert werden können.

Der nächste Schritt: Wenn Systeme selbst entscheiden

Diese Entwicklung ist jedoch nur der Anfang.

Was heute als Verschiebung hin zu Zero-Click-Entscheidungen beginnt, kann sich perspektivisch in Richtung Agentic Commerce entwickeln – eine Welt, in der Systeme nicht nur Empfehlungen geben, sondern Entscheidungen selbst ausführen und Käufe direkt im LLM tätigen. 

Doch auch in diesem Szenario bleibt die Logik bestehen: Wer die Entscheidung beeinflusst, kontrolliert den Kauf.

Die Customer Journey verschiebt sich in LLMs – mit klaren Unterschieden zwischen B2C und B2B

Wir erleben keine vollständige Disruption, sondern die Weiterentwicklung eines bekannten Systems.

Die zentrale Verschiebung liegt im Entscheidungsraum:
Sichtbarkeit entsteht nicht mehr primär über Rankings und Klicks, sondern innerhalb von KI-generierten Antworten. Organische und bezahlte Präsenz verschmelzen zunehmend – und beeinflussen Entscheidungen bereits vor dem ersten Website-Besuch.

Besonders dynamisch entwickelt sich dieser Wandel aktuell im B2C-Bereich und bei Low-Involvement-Produkten, wo Entscheidungen schneller und stärker durch Systeme vorbereitet werden. Vor allem im rein funktionalen Produkt Bereich.

Im B2B-Kontext hingegen bleibt die Customer Journey komplexer:
Die Website spielt weiterhin eine zentrale Rolle – sowohl in der Informationsphase als auch insbesondere beim Abschluss. Vertrauen, Tiefe und individuelle Anforderungen lassen sich hier nicht vollständig in KI-Interaktionen verlagern.

SEO und SEA verschwinden also nicht – sie gewinnen neue Ausprägungen hinzu: LLM Visibility und Paid AI.

Disziplinen, die nicht mehr nur Traffic generieren, sondern gezielt Einfluss auf Entscheidungen nehmen. Die Grundlagen bleiben jedoch dieselben: Relevanz, klare Inhalte, Vertrauen und eine saubere Datenbasis. Allein die Investition in LLM-Optimierung oder Paid Ads wird daher nicht zum Erfolg führen – entscheidend ist, wie gut diese neuen Kanäle in eine ganzheitliche Strategie eingebettet sind und echten Mehrwert für Nutzer schaffen.

MASSIVE ART Julia Tockweiler
Julia Tockweiler
Als Performance-Marketing-Spezialistin denkt sie nicht in Kanälen, sondern in Wirkung. Ihr Fokus: SEO / GEO und Paid Performance gezielt verzahnen, um eine ganzheitliche Strategie mit messbaren Ergebnissen und effizientem Budgeteinsatz zu schaffen.