Affäre Failmann – gekaufte Freunde auf Facebook

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Die "Affäre Failmann" auf Facebook hat sowohl Lächeln als auch Empörung ausgelöst: Einerseits halten wir es für lustig, dass ein Politiker sich mit einem Social-Media-Kompetenz-Team umgeben hat und dennoch einen peinlichen Auftritt hinlegt, andererseits löst es Stirnrunzeln und Missverständnis aus, dass dieses überrepräsentierte Kompetenz-Team letztlich vom Steuerzahler bezahlt wird.

Neben diesen gemischten Gefühlen stellt sich einmal mehr die Frage nach der Echtheit und Wirklichkeit, die im Web herrscht.

Alles aber Facebook?

Wenn ich frage, kann man dem Web trauen, würden mir sicherlich die meisten antworten, dass die Frage ansich schon an Blödheit grenze und man gar nicht naiv genug sein kann, diese Frage zu bejahen.

Wenn ich mir aber die allgemeine Bereitschaft zur Facebook-Teilnahme und die Aufstellung so mancher Facebook-Accounts betrachte, dann lässt sich sehr schnell und neutral feststellen, dass offensichtlich viele User ein webweites Vertrauen haben und auch darauf vertrauen, dass die Angaben anderer User Gültigkeit besitzen und sich dahinter wahre Aussagen finden – so im Großen und Ganzen. Anders lässt sich die Lebens-Dokumentation, die so mancher User auf Facebook hinterlässt, nicht erklären.

Wir verstehen natürlich auch, dass nicht alles so ernst zu nehmen ist. Es gibt ein konventionelles Einverständnis darüber, skurrile oder unnötige Gruppen zu tolerieren, hip zu finden und zu posten, um dem eigenen Profil etwas Farbe zu verleihen oder einfach ganz gemäß dem Grundsatz von Facebook zu handeln: Einen Mehrwert an Unterhaltung genießen.

Zweifelsohne spielt es dabei eine große Rollen, auf was für einem Portal man sich aufhält und welche Ziele auf welcher Plattform verfolgt werden. Falsche, verdeckte oder lächerliche XING- und LinkedIn-Profile wären nicht zielführend.  

Die Akte Faymann

Gleichzeitig wirft die "Akte Faymann" die Frage auf, was ist auf der Jagd nach Freunden und Popularität erlaubt – moralisch, rechtlich? Ist es nicht verständlich, dass man um zusätzliche "Freunde" wirbt? Denn 1 Freund zieht Freunde nach und auch scheinbare Popularität wirkt attraktiver als ein unterbesetztes "Freunde-Konto". Es wäre ja auch gelogen zu behaupten, Facebook sei eine private Plattform. Facebook ist ein Fundus an vielem und eben auch ein Fundus an wirtschaftlichen Interessen.

Klar, keiner will unwissentlich einem Fake unterliegen... Moralisch entsteht einem Unternehmen oder einer Marke ein herber Imageschaden, wenn der "Einkauf von Freunden" bekannt würde.

Alles war Recht ist

Rechtlich gibt es inzwischen schon erste Bestimmungen, deren Interpretationen zwar dehnbar sind, aber zumindest einen Ansatz bieten. Gefälschte Profile und Postings, die darauf abzielen, das Kaufverhalten zu manipulieren, können als irreführend und unlautere Geschäftspraktik gewertet werden. So wird im vorangegangenen Link auf den Standard-Artikel beschrieben, dass die "Vortäuschung der Beliebtheit eines Produkts durch eine Vielzahl von Postings nach § 2 UWG ebenso verboten ist wie einzelne Postings, die über die Produktqualität täuschen".

Der Artikel führt im Weiteren aus, dass Verstöße nicht nur zu Schadenersatzansprüchen gegenüber Unternehmen führen, sondern auch Werbeagenturen und IT-Dienstleister haftbar gemacht werden können. Denn: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe und Kenntnis erst recht nicht.

Fazit

Es ist eine sehr spannende Diskussion, was erlaubt ist und was nicht – beziehungsweise was Besucher tolerieren und was diese als Spam emfpinden.

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