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One Design fits all? Warum das bei Accessibility nicht funktioniert

In einer Welt, in der Technologie unser tägliches Leben durchdringt, ist die Vorstellung eines „One Design fits all“-Ansatzes verlockend. Einheitlich, skalierbar, effizient. Doch dieser Gedanke ist trügerisch – er blendet die Realität der Nutzer:innen aus.

Zukunftsfähiges Design bedeutet nicht, für die Mehrheit zu optimieren – sondern für Vielfalt zu gestalten. Für unterschiedliche Fähigkeiten, Lebensrealitäten und Nutzungsszenarien. Barrierefreiheit ist dabei kein Zusatz, sondern die Grundlage für digitale Erlebnisse, die wirklich inklusiv, resilient und menschenzentriert sind.

Désirée Boric
Désirée Boric Aktualisiert am 8. Jan. 2026
One Design Fits all min

Das Problem mit „One Design fits all“

In vielen digitalen Projekten herrscht immer noch die Vorstellung, man könne eine einzige Lösung gestalten, die für alle Plattformen, Geräte und Nutzer:innen funktioniert. Einheitlichkeit wird mit Effizienz gleichgesetzt – doch in Sachen Accessibility funktioniert dieser Ansatz selten.

Menschen nutzen Websites und Apps auf unterschiedlichste Weise:

  • mit der Maus, Tastatur oder per Spracheingabe
  • mit Screenreadern oder Braille-Zeile
  • mit erhöhter Schriftgröße oder angepassten Kontrasten
  • in verschiedenen Sprachen oder mit kognitiven Herausforderungen

Ein „One-size-fits-all“-Design ignoriert diese Vielfalt – und schafft Barrieren, wo eigentlich Zugänglichkeit entstehen sollte.

Von der Norm zur Ausnahme – und wieder zurück

Der Großteil digitaler Produkte wird für eine normative Zielgruppe konzipiert: Menschen mit gutem Sehvermögen, sicherer Motorik und technischer Affinität. Alle anderen müssen sich anpassen – oder bleiben außen vor.

Doch was, wenn wir die Perspektive umkehren? Was, wenn wir Produkte entwickeln, die flexibel genug sind, sich an ihre Nutzer:innen anzupassen – statt umgekehrt?

Genau hier setzt barrierefreies Design an: Es fordert uns heraus, nicht für Durchschnittswerte, sondern für echte Vielfalt zu gestalten. Und das ist kein Rückschritt, sondern ein Innovationsmotor.

Design für Menschen, nicht für Personas

Barrierefreiheit zwingt uns, gängige Designmuster zu hinterfragen:

  • Ist ein Button wirklich intuitiv – oder nur für Menschen ohne motorische Einschränkungen?
  • Ist eine Animation belebend – oder potenziell überfordernd?
  • Funktioniert der Kontrast nur im hellen Büro – oder auch bei Sonnenlicht, bei Sehschwäche oder auf einem alten Smartphone?

Diese Fragen machen Design nicht komplizierter, sondern smarter. Sie erweitern unseren Blick und fördern Lösungen, die nachhaltiger, zugänglicher – und damit zukunftsfähiger sind.

Typische Hürden im Alltag

In meiner Praxis als UX/UI Designerin und Accessibility-Expertin begegnen mir immer wieder ähnliche Probleme, die vermieden werden könnten – wenn Accessibility von Anfang an mitgedacht wird:

  • Unzureichender Farbkontrast erschwert die Lesbarkeit – besonders bei wichtigen Informationen.
  • Nicht erkennbare Fokuszustände machen die Tastatur-Navigation nahezu unmöglich.
  • Unbeschriftete Icons oder fehlerhafte Alternativtexte führen zu Missverständnissen bei Screenreader-Nutzenden.
  • Komplizierte Sprache oder unklare Strukturen erschweren kognitiv beeinträchtigten Personen den Zugang zu Inhalten.

Solche Hürden sind nicht nur ein Usability-Problem – sie schließen aktiv Menschen aus.

Innovation braucht Inklusion

Barrierefreiheit ist kein Widerspruch zu Fortschritt, sondern dessen Voraussetzung. Inklusives Design schafft nicht nur gerechtere Zugänge, sondern stärkt auch Marken, Märkte und Teams. Es öffnet Türen – für Menschen, Ideen und Potenziale, die sonst unbemerkt bleiben würden.

Technologien wie KI, Sprachsteuerung, haptisches Feedback oder personalisierte Interfaces eröffnen neue Wege, Barrieren zu überwinden. Doch nur, wenn wir die richtigen Fragen stellen – und die richtigen Menschen mitdenken.

Design als Verantwortung – und Chance

Als Designer:innen gestalten wir nicht nur Interfaces, sondern Lebensrealitäten. Accessibility ernst zu nehmen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für eine digitale Welt, in der niemand zurückgelassen wird.

„One Design fits all“ ist eine Illusion. Doch „One Design mindset for all“ – ein Denken, das Vielfalt als Chance begreift – ist der Weg nach vorne.

Fazit: Die Zukunft ist inklusive

Barrierefreiheit ist mehr als ein WCAG-Check. Sie ist Ausdruck einer Haltung: Design soll verbinden, nicht ausschließen. Wer heute in Accessibility investiert, gestaltet nicht nur für Minderheiten – sondern für eine digitale Zukunft, die alle mitnimmt.

Nicht später. Sondern jetzt.

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Meine B2C Website ist betroffen und ich möchte einen Audit durchführen!

Unsere Barrierefreiheits-Experten helfen gerne bei der Durchführung eines Barrierefreiheits-Audits.

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Désirée Boric
Kunden bzw. User:innen abzuholen, sich in sie hineinzuversetzen und sie anschließend auch mit fertigen Konzepten/Designs glücklich zu machen. All das und noch viel mehr steckt im Beruf der UX/UI-Designerin bei MASSIVE ART. Diese angelernte Sichtweise begleitet Désirée auch in ihrer äußerst sportlichen Freizeit, ihren Roadtrips und ihrer steht's gutmütigen fröhlichen Art. Also generell in Allem.