Perspektivenwechsel: Vom Hardwareproduzent zum Softwaredesigner

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Das Einführen von digitalen Prozessen in einem Unternehmen ist herausfordernd, bringt aber neue Chancen.

Neue Technologien sind inzwischen so ausgereift, dass Software allein bahnbrechende Innovationen schafft.

Um Innovationen nicht nur zu beobachten, sondern diese selbst zu schaffen bedarf es einem Perspektivenwechsel: weg vom Hardware-Produzenten, hin zum Softwaredesigner. Das weiß auch der Spezialist für Präsentationstechnologien WolfVision. Das Unternehmen aus Klaus in Vorarlberg produziert hochwertige Visualizer, die weltweit bei Konferenzen und Schulungen eingesetzt werden – unter anderem für die Universität Harvard sowie renommierte Unternehmen wie Google oder Microsoft.

Von analog zu digital

Früher kamen bei Präsentationen Papier, Folie und ein Projektor zum Einsatz. Mit zunehmender Digitalisierung wurde für WolfVision immer deutlicher: "Die klassischen Präsentationtechniken verändern sich. Daher muss sich auch unser Unternehmen neu positionieren", erklärt Christian Loacker, Produktmanager, WolfVision GmbH. Heute wird statt dem Projektor das Tablet eingesetzt. Damit bieten sich ganz neue Möglichkeiten – wie Streamen, Rekorden und Downloaden von Wissen. 

Seit 2013 hat WolfVision viele digitale Prozesse umgestellt. Beim Digital first-Event eklärte ich, wie MASSIVE ART den Präsentationsspezialisten bei dessen Weg in die Digialisierung unterstützte.

Ziele werden zu Herausforderungen

Am Beginn stand für WolfVision die Entwicklung eines neuen Produktes: Cynap. "Das Präsentations- und Kollaborationssystem ist eine multifunktionale und flexible Schnittstelle. Cynap ermöglicht einen schnellen und einfachen Zugang zu Informationen jeder Art und aus jeder Quelle", erklärt Christian Loacker. 

Das System stellte WolfVision vor neue Herausforderungen: 

  • Cynap soll von dessen Benutzern per Mouse und Tastatur, Fernbedienung und Touchpad steuerbar sein.
  • Das System soll in Besprechungsräumen, aber auch in großen Hörsälen zum Einsatz kommen.
Weitere Voraussetzungen an das Produkt waren: 
  • Intuitive Benutzerführung
  • Optisch ansprechende Oberfläche
  • Breites Anwendungsfeld 

Mit dem richtigen Modell zur erfolgreichen Software-Entwicklung

Für die Entwicklung von Cynap waren mehrere Ansätze denkbar. Wir haben in der Softwareentwicklung bei MASSIVE ART schon mit vielen Methoden gearbeitet und kennen mittlerweile die jeweiligen Vor- und Nachteile. In Zusammenarbeit mit WolfVision – die neuen Methoden sehr offen gegenüberstanden – wurden alle Möglichkeiten durchleuchtet. Nach einem Screening fiel die Entscheidung auf folgendes Modell: 

Agiles Development

Das Modell basiert auf einer leichtgewichtigen, dynamischen Entwicklung (Abbildung 1). Der bürokratische Aufwand und die Regeln bleiben gering. Zudem kann auf Veränderungen schnell reagiert werden, ohne das Risiko für Fehler zu erhöhen. 

Gemeinsam mit WolfVision haben wir uns für das Agile Development-Modell entschieden. Ausschlaggebend waren folgende Vorteile

  • Wenige, aber feste Regeln
  • Hohe Flexibilität durch adaptives Planen
  • Hohe Effektivität durch Selbstorganisation
  • Kontinuierliche Verbesserung durch Interaktionen
  • Lauffähiges Produktinkrement nach der ersten Iteration (Sprint)   
  • Hohe Transparenz durch regelmäßige Meetings
  • Weniger Administration durch mehr Vertrauen
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Abbildung 1: Das Agile Development basiert auf einer leichtgewichtigen agilen Entwicklung.

Produktentwicklung Cynap

In der Produktentwicklung ist es essentiell, die Bedürfnisse der Zielgruppen zu verstehen. Durch Befragungen, Beobachtung und auch Erfahrungswerte entsteht ein Gesamtbild: eine Produktvision. 

Da Cynap direkt in Hörsälen und auf Präsentationsbühnen zum Einsatz kommt, haben wir uns für einen „human-centered“-Ansatz entschieden. Das bedeutet: am Menschen orientiert. Doch auch die Faktoren Technologie und Wirtschaft spielen eine große Rolle. Denn erst aus der Kombination aller Faktoren entsteht Innovation (Abbildung 2).

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Abbildung 2: Innovation ist die Schnittmenge aus den drei Faktoren Mensch, Technologie und Wirtschaft.

In 4 Schritten zur innovativen Produktentwicklung

1. Personas

Ein Produkt zu entwickeln, das den Nutzer in den Mittelpunkt stellt, funktioniert über sogenannte Personas. Das sind fiktive Personen, die stellvertretend für tatsächliche Anwender bzw. Anwendergruppen stehen. Personas haben konkrete persönliche Eigenschaften, ein eindeutiges Nutzerverhalten und klare Anforderungen an das Produkt. 

2. Epics & User Stories

Die erstellten Personas dienen als Grundlage für Epics und User Stories. Epics sind die Anforderungen an eine neue Software. Eine User Story ist die Beschreibung von Anforderungen aus der Perspektive eines Benutzers. 

Ein Beispiel: Für das Epic 'Bring your own device' gibt es folgende User Story: Als Marissa möchte ich mich drahtlos mit meinem iPad zur Cynap verbinden können, um über Mirroring den iPad-Inhalt am Projektor auszugeben (Abbildung 3).

Marissa ist eine zuvor definierte Persona mit konkreten Eigenschaften und gehört einer bestimmten Nutzergruppe an.

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Abbildung 3: User Stories beschreiben die Anforderungen aus der Perspektive eines Benutzers.

3. Prototyping

Im nächsten Schritt geht es um Prototyping – basierend auf den User Stories. Mit Hilfe von Storyboards wird der Ablauf einer Anwendung visualisiert (Abbildung 4).

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Abbildung 4: Anhand von Storyboards wird beim Prototyping vom Groben immer weiter ins Detail gegangen.

Parallel dazu wurde eine visuelle Sprache entwickelt (Farben, Formen, Icon, Text, Bild). Das Navigationskonzept und die Bedienoberfläche von Cynap sollten dabei nicht von der Präsentation ablenken.

4. Usability-Testing bzw. UX-Tests

Usability-Tests sind in der Software-Entwicklung essentiell. Dadurch können Probleme bereits in einem frühen Stadium erkannt und behoben werden. Befragungen und Beobachtungen, sowie Klick-Tracking und Eye-Tracking gaben Aufschluss über die Nutzerfreundlichkeit von Cynap. Im Rahmen der Usability- und UX-Tests haben wir etwa ermittelt, ob der Benutzer sein Ziel erreicht und wie lange er dafür braucht.

Risiken bei der Software-Entwicklung und wie man sie minimieren kann

Während der Entwicklung gibt es einige Risiken zu beachten:

  • Geschäftsrisiko: Entwickeln wir das richtig? Hat das Produkt einen Markt?
  • Soziales Risiko: Ist mein Team, mein externer Partner in der Lage mein Produkt zu bauen?
  • Technisches Risiko: Wird unsere Lösung überhaupt funktionieren?
  • Kostenrisiko: Wie hoch sind die Kosten, die auf mich zukommen?

Mit dem gewählten Agile-Development Modell können Risiken früh erkannt und minimiert werden. Denn je früher alle Teile – Software und Hardware – zusammen spielen, desto früher entsteht Know-How, und das minimiert das Risiko. Die Komponenten Soft- und Hardware müssen also so schnell wie möglich zusammen spielen.

Vom Kunden zum Software-Entwickler

Durch einen intensiven Know-how-Transfer war WolfVision am Ende des Projekts in der Lage, Cynap selbst weiterzuentwickeln. Das bedeutet, dass sich im Laufe der Zeit die Zusammenarbeit zwischen WolfVision und MASSIVE ART verändert hat. Heutet sind wir Berater und Unterstützer im Bereich Coding und nach wie vor Partner für User Interface Design. WolfVision ist nun selbst in der Lage, die Entwicklung des User Interface der Cynap voranzutreiben.

Im Wandel der Zeit

Man muss sich nur etwas umschauen, um zu erkennen, wie viele Unternehmen sich im digitalen Wandel befinden. Bestes Beispiel: die Musikindustrie. Wurden vor wenigen Jahren noch CD’s gekauft, benutzt heutzutage fast jeder Streamingdienste wie Spotify. Aufgrund der Digitalisierung sind viele Unternehmen gezwungen, sich neu zu erfinden.

WolfVision ist da keine Ausnahme. Was mit der digitalen Lupe begann, hat sich inzwischen zu einem innovativen und digitalen All-In-One Präsentations- und Kollaborationssystem entwickelt: Cynap. Wer offen bleibt und sich den neuen, digitalen Herausforderungen der Zeit stellt, gewinnt. 

Companies in every industry need to assume that a software revolution is coming.

Marc Andreessen, Investor und Mitgründer des Netscape Browsers (Quelle: Andreessen, Marc: Why Software Is Eating The World, in: The Wall Street Journal (2011))

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